[ABOUT CHRISTMAS] Gedanken zum ersten Advent

Advent, Advent, ein Lichtlein brennt…
… dann brennt die ganze Stube,
der Vater rennt, die Mutter flennt,
ich bin ein böser Bube!

Das ist zumindest das erste Gedicht, das ich von meinem Vater am ersten Adventsonntag höre. Gleich nach der Adventgeschichte von Loriot. Für mich ist es jedes Jahr wieder schön, die Adventszeit mit etwas Humor zu beginnen. Schließlich beginnt ja die Zeit der Freude und Liebe, des Gebens und guten Handelns oder schlichtweg der leeren Geldbörse und roten Zahlen.  Ich bin immer so aufgeregt und freue mich so sehr über den Dezember, obwohl ich sonst überhaupt kein Wintermensch bin. Bei den ganzen blinkenden Lichtern, glitzernden Weihnachtskugeln und Sternen, die überall hängen und sowieso dem Weihnachtsmarkt, muss man aber einfach aus dem Häuschen sein. Wenn es dann auch noch die ersten Schneeflöckchen pünktlich zum Adventstart gibt, kann mich nichts mehr aus der Fassung bringen, außer vielleicht ein Blick in die Geldbörse.

Ich stelle jedes Jahr wieder schockiert fest, dass sich meine Ausgaben im Dezember automatisch verdoppeln, wenn nicht sogar verdreifachen, wie aus dem nichts, einfach so. Denn einen Haken haben die ganzen Christkindlmärkte und toll geschmückten Schaufenster: Man möchte kaufen, am besten alles, was nur ein bisschen nach Weihnachten riecht, schmeckt oder aussieht. Die Glitzersterne zum Dekorieren? Gekauft. Der oberkitschige Weihnachtspulli? Gekauft. Ein, zwei oder drei Schmankerl vom Weihnachtsmarkt? Gekauft. Die herrlich duftende Winter-Edition von Teekanne? Am besten gleich zwei Packungen, damit es bis Weihnachten reicht. Wie ihr seht, ist die Liste schier endlos und das liegt genau an zwei Faktoren:

1. sind wir besonders in der Weihnachtszeit extrem anfällig dafür, uns manchmal (in meinem Falle manches Mal zu viel) etwas zu gönnen, denn “es ist ja Weihnachtszeit, da darf man das schon.” Und schon purzeln die Neujahresvorsätze à la “Nach Silvester fange ich dann gleich mit dem Sparen an.”
2. nutzt das die Industrie schamlos aus. Die Weihnachtszeit ist der Verkaufsschlager schlechthin, zu keinem anderen Zeitpunkt des Jahres verdienen Amazon, Zalando und Co. so viel wie an Weihnachten, Sommersale hin oder her.

Die Weihnachtszeit ist zu einer großen Industrie geworden und wir lassen uns unglaublich leicht an der Nase herumführen. Wenn man beispielsweise im Supermarkt etwas genauer hinschaut, fällt einem auf, dass fast alles, auf dem der Stempel “ideal für die Weihnachtszeit” oder “Weihnachts-Edition” gedruckt ist, fast doppelt so teuer ist wie das normale Produkt, unabhängig vom Inhalt. Und ich spreche heute aus Erfahrung, denn ich habe neben mir eine winzige Packung Winter-Edition-Corny-Riegel liegen und möchte gar nicht daran denken, dass ich damit schon wieder in die Geschäftsmasche der Großindustrie getappt bin.

Ein anderes Problem, mit dem ich jedes Jahr zusätzlich zu diesen ganzen Ausgaben zu kämpfen habe, sind die Geschenke. Ich schenke unglaublich gerne und ich fühle mich immer wie das Christkind höchstpersönlich, wenn ich mich durch die vollgestopften Läden kämpfe, um das perfekte Geschenk für meine Liebsten zu finden. Dabei achte ich nur sehr selten auf das Geld, denn auch wenn ich am liebsten die ganze Welt herschenken würde, steht mir als Studentin leider nur ein eher kleines Budget zur Verfügung, eigentlich. Das scheint mir nämlich ziemlich egal zu sein. Man sagt ja immer, was Selbstgebasteltes kommt von Herzen und ist zudem noch um einiges billiger. Das Problem daran ist, dass ich wirklich sehr gerne bastle, dann aber auch das teurere und “schönere” Papier kaufen muss, und auch die tollen 3D-Sticker + Glitzersterne, auch wenn diese mit 10 Euro einfach viel zu teuer sind.

Ich muss zugeben, dass ich mich noch viel zu oft von dem in unserer kaufsüchtigen Gesellschaft verankerten Gedanken, dass ein teureres Geschenk auch automatisch ein besseres ist, leiten lasse. “Das hat nur 5 Euro gekostet, das ist eindeutig zu wenig, ich brauche noch etwas.” Und bis Weihnachten habe ich dann nicht noch etwas, sondern noch 5 andere Sachen gekauft. Dabei habe ich schon so oft miterlebt, wie sehr sich Menschen über etwas Kleines freuen können, wenn es wirklich von Herzen kommt, egal wie viel man dafür ausgegeben hat. Ein beschäftigter Familienvater kann seinem Kind natürlich einfach die teuerste Nintendo-Konsole kaufen und sich dann denken, dass es sich damit den Rest des Jahres erledigt hat. Oder er denkt einmal nicht ans Geld, kauft nur etwas Kleines und kann sich dafür ein paar Tage freinehmen, um endlich mal mehr Zeit mit seiner Familie zu verbringen. Über was wird sich das Kind wohl mehr freuen? Natürlich ist es eine schöne Geste, wenn man auch einmal etwas tiefer in die Tasche greift, um einen langersehnten Wunsch zu erfüllen, solange man sich selber damit nicht in den Bankrott treibt. Wir, und damit meine ich auch mich, müssen aufhören, den materiellen Gütern dieser Welt wie verrückt nachzujagen und dabei die zwischenmenschlichen Werte zu vergessen, besonders in der Weihnachtszeit. Zumindest wird das einer meiner Vorsätze werden, den ich nicht erst nach Silvester, sondern schon jetzt umsetzen möchte.

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