[ABOUT LIFE] Stress

Ich sitze auf meinem Schreibtischsessel und schaue verträumt aus dem Fenster. Ich sehe Tannen und ein paar Laubbäume, manchmal bewegen sich die Blätter, manchmal lässt sich ein Vogel vom Wind noch höher in die Lüfte tragen. Die Sonnenstrahlen beleuchten die Eichenholzplatte meines aufgeräumten Schreibtischs und erzeugen dadurch ein Muster aus verschieden breiten Streifen. Alles scheint so ruhig, es ist schon fast wie in einer Fantasiewelt, in der es keine Geräusche mehr gibt. Plötzlich höre ich ein paar lachende Kinder, doch trotzdem bleibt alles rund um mich still. Er ist noch nicht da. Alle Geräusche verschwinden und ich verweile in meiner stillschweigenden Fantasiewelt, denn er ist noch nicht da. 

Ich wende mich weiter dem Blick aus meinem Fenster zu und beobachte, wie sich ein einzelnes Blatt von seinem Ast löst. Langsam trägt es der Wind zu Boden und dort bleibt es einfach liegen. Doch die Ruhe währt nicht lange, denn schon der nächste Windstoß setzt das Blatt wieder in Bewegung. Es wird etwa drei oder vier Meter weitergeweht, bis es dort einfach zu liegen kommt. Der Blick aus dem Fenster lässt mich unruhig werden. Ich wende mich also vom Fenster ab und lasse meinen Blick über den Schreibtisch schweifen. Ein Bücherstapel in der Ecke weckt meine Aufmerksamkeit. Ich habe diesen Stapel zuvor noch gar nicht bemerkt, sah mein Schreibtisch vorher doch noch aufgeräumt aus. Irgendetwas beschäftigt mich. Ich werde ein bestimmtes Gefühl nicht mehr los, meine innere Ruhe beginnt zu bröckeln.  Es dauert nicht mehr lange, bis er hier ist. Er könnte wirklich bald hier sein.

Wieder schaue ich aus dem Fenster, um mich abzulenken. Noch einmal sehe ich einem Blatt zu, das vom Wind zu Boden getragen wird. Diesmal wende ich meinen Blick aber nicht mehr ab und ich sehe, wie es noch einmal passiert. Dann noch einmal. Ein Blatt, zwei Blätter, drei Blätter. Langsam zähle ich die Anzahl der Blätter, die vom Baum fallen, bis es zu viele werden. Ich kann nicht mehr mitzählen. Die ersten komplett kahlen Äste geben sich zu erkennen. Sie sehen einfach leer aus und irgendetwas an ihrem Anblick stört mich. Also wende ich den Blick wieder meinem Schreibtisch zu und entdecke, dass neben den Büchern auch noch ein paar Hefte darauf verteilt liegen. Er wird sicher bald kommen und ich fühle mich unvorbereitet. Es kann noch nicht so weit sein, aber er ist auf dem Weg.

Plötzlich sehe ich, dass das Muster auf der Schreibtischplatte verschwunden ist. Ich sehe, dass der Himmel seine Farbe geändert hat. Aus dem kräftigen Blau wurde ein fahles Grau. Die Blätter sind verschwunden. Zurück bleibt nur der Anblick der kahlen Äste, der auch die letzten Reste meiner inneren Ruhe verschwinden lässt. Ich werde unruhig und plötzlich wird mir der Blick versperrt. Auf meinem Schreibtisch türmen sich die Bücher, so hoch, dass ich nicht mehr aus dem Fenster blicken kann. Das Einzige, was mir jetzt noch bleibt, ist die Sicherheit, dass die Zeit vergehen wird. Und eine Menge Geduld, denn er ist da und ich kann mich nicht mehr dagegen wehren: Der Stress ist angekommen.

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